Thema

Die Abschaffung des Buß- und Bettages als allgemeiner Feiertag

Thema Fortschritt

Ganz abgesehen von der Schwierigkeit, einen “routinemäßigen”, von aktuellen Katastrophen losgelösten Bußtag zu feiern, versuchte sich der Protestantismus ab den 1970er Jahren mehr und mehr von seinem finsteren Image zu lösen.
Man versuchte die Attitüde der büßerischen Steifheit als spießbürgerliche Heuchelei zu entlarven. Statt finsterer Lustfeindlichkeit wurde/wird ein strahlendes Evangelium der Gnade, der Freiheit und der Menschenwürde verkündigt.

Impulse zum Weiterdenken:

  • Was für ein Kirchenbild vermittelt Hanns-Dieter Hüsch in dem obenstehenden Video-Auftritt, in dem Gott zum Austritt aus der Kirche genötigt wird? Notiere dazu fünf passende Eigenschaften – z.B. unten im Kommentarfeld.
  • Wie siehst du deine Kirche? Hat Hüsch recht? Oder unterscheidet sich deine Kirchenvorstellung (inzwischen) von dem im Video vermittelten Bild? Versuche, wichtige positive und negative Gesichtspunkte in Bezug auf dein Bild von Kirche zu sammeln. Fällt die Bilanz eher positiv oder negativ aus?
    Wenn du möchtest, kannst du deine Denk-Ergebnisse ebenfalls in das Kommentarfeld eintragen und dann absenden!

Der Paradigmenwechsel von der düsteren Buß-Kirche hin zur hellen Gnaden-Kirche führte dazu, dass der Bußtag an Bedeutung verlor und die Jüngeren immer weniger begriffen, was eigentlich gefeiert werden sollte. Selbst innerhalb der evangelischen Kirchen war zwar die Freude über einen freien Tag im trüben November groß, der Besuch von Gottesdiensten am Buß- und Bettag aber äußerst schlecht.

Da lag es nahe, dass dieser Feiertag am ehesten von allen geeignet erschien, für die Einführung einer kostspieligen Sozialmaßnahme geopfert zu werden: Im Jahr 1994 beschlossen die deutschen Länderparlamente, ihn als arbeitsfreien Tag mit Wirkung ab 1995 zu streichen, um die Mehrbelastung für die Arbeitgeber durch die Beiträge zur neu eingeführten Pflegeversicherung durch Mehrarbeit der Arbeitnehmer auszugleichen. Nur der Freistaat Sachsen behielt ihn als gesetzlichen Feiertag bei, weswegen die Sachsen etwas höhere Sozialausgaben zahlen müssen als die Bürger anderer Bundesländer. Eine Klage gegen diese Entscheidung der Landesregierung wurde abgewiesen.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.